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Und es geht doch: Linux, Skript ausführen beim Herunterfahren

Geradezu abenteuerlich sind die Aussagen einiger selbsternannter Experten beim Thema „Skripte ausführen beim Herunterfahren“. Von „Linux fährt man nicht herunter“ bis zu „ist überhaupt nicht möglich“ habe ich alles schon lesen dürfen.

Dabei ist es ganz einfach. Ich benutze diese Methode auf meiner virtuellen Entwicklungsmaschine, um Dateien und Datenbanken nach einem Arbeitstag auf dem Host zu sichern.

Hier also meine schnelle: „Klicken-und-vergessen“-Methode für

  • Oracle VM VirtualBox Manager
  • Host: Windows 7 64 Bit
  • Gast: Ubuntu Linux 14.04.1 – 64 Bit (Hostname: minlux)
  • Netzwerk: AVM FRITZ!Box 7390, Host über WLAN verbunden

Die auszuführenden Dateien befinden sich in /etc/init.d/.

Wir legen ein Skript an, das nichts anderes macht, als eine leere Datei namens goodbye.txt ins Home-Verzeichnis des Users zu schreiben. Das Skript, das das erledigen soll, erhält den Namen custom-shutdown.sh.

echo -e '#!/bin/sh\ntouch /home/'$USER'/goodbye.txt' | sudo tee /etc/init.d/custom-shutdown.sh

Wir machen die Datei ausführbar:

sudo chmod +x /etc/init.d/custom-shutdown.sh

Prüfen, ob alles geklappt hat:

ls -l /etc/init.d/custom-shutdown.sh
cat /etc/init.d/custom-shutdown.sh

Nun legen wir in /etc/rc0.d/ einen Link zum Skript. Beachte: das Präfix K04 vor dem Dateinamen, ohne das geht es nicht.

sudo ln -s /etc/init.d/custom-shutdown.sh /etc/rc0.d/K04custom-shutdown.sh

Fertig. Nun starten wir die Maschine neu

sudo reboot

Test, ob goodbye.txt auch wirklich angelegt wurde:

ls -l ~

Man beachte, dass die Datei für den Nutzer root angelegt worden ist, falls man noch irgendetwas damit plant.

Skript beim Hochfahren ausführen

Wer möchte, kann Skripte auch ausführen lassen beim Hochfahren des Rechners. Dann muss der Link aber nicht in rc0.d sondern in rc6.d platziert werden.

echo -e '#!/bin/sh\ntouch /home/'$USER'/hello.txt' | sudo tee /etc/init.d/custom-start.sh
sudo chmod +x /etc/init.d/custom-start.sh
sudo ln -s /etc/init.d/custom-start.sh /etc/rc6.d/K04custom-start.sh

WICHTIG: Server neu starten

Wenn man Datenbanksicherungen beim Herunterfahren anlegen möchte, so muss man natürlich beachten, dass die Datenbank schon längst selbst heruntergefahren ist. Also muss man diese kurz wieder starten:

#!/bin/sh
date >> /media/sf_share/shutdown.log # das ist mein geteiltes Verzeichnis mit dem Host
sudo /etc/init.d/mysql start # hier wird MySQL wieder gestartet
exec /etc/webmin/mysql/backup.pl --all >> /media/sf_share/shutdown.log # mit Hilfe eines Webmin-Skriptes wird das Backup angestoßen
sudo /etc/init.d/mysql stop # und hier müssen wir MySQL natürlich wieder sauber beenden

Mein Dank geht an http://ubuntu.flowconsult.at/linux/ubuntu-14-10-shutdown-script-with-rc0-d-rc6-rcd/ und https://unix.stackexchange.com/questions/34963/running-script-before-shutdown-seemingly-not-working. Mehr Informationen zum Runlevel: https://en.wikipedia.org/wiki/Runlevel#Ubuntu

Oracle VM VirtualBox Manager – Zugriff auf gemeinsame Ordner und Dateien über Gasterweiterungen

Ein Thema, zu dem ich auch keine simple Lösung finden konnte: wie tauschen Host und Gast Dateien aus? Normalerweise funktioniert das über die sogenannten Gasterweiterungen. Aber diese zu installieren, ist so umständlich und schlecht erklärt, dass es schon an Körperverletzung grenzt.

Hier also meine schnelle: „Klicken-und-vergessen“-Methode für

  • Oracle VM VirtualBox Manager
  • Host: Windows 7 64 Bit
  • Gast: Ubuntu Linux 14.04.1 – 64 Bit (Hostname: minlux) – funktioniert aber auch mit Debian 7, 8 und 9 und wohl mit den meisten anderen Linuxen
  • Netzwerk: AVM FRITZ!Box 7390, Host über WLAN verbunden
sudo apt-get install dkms -y

Ohne dem geht es nicht. Warum? Keine Ahnung. Oracle versucht es hier zu erklären.

Jetzt heißt es, die richtige ISO-Datei zu finden, auf der sich die Erweiterungen befinden, die installiert werden müssen, damit Debian/Linux „weiß“, dass es nur eine virtuelle Maschine ist und nach draußen, mit dem Host kommunizieren muss. Orientieren Sie sich an der Versionsnummer von Oracle Virtual Box Manager. Im Zweifelsfall wird es die höchste Nummer sein. Bei mir bspw. 5.1.26. Die Datei im Ordner heißt passenderweise: VBoxGuestAdditions_5.1.26.iso.

Diese Datei an einen sicheren Ort (kein Temp-Order oder ähnliches) herunterladen und über den VirtualBox Manager einlegen:  Geräte->CD/DVD-Laufwerke->Datei für virtuelles CD/DVD-Medium auswählen…

Die ISO-Datei auswählen

Die ISO-Datei auswählen

Im Manager den gemeinsamen Order (hier: C:\Users\juergen\share) angeben. Dazu noch die Optionen: „automatisch einbinden“ und „permanent erzeugen“ aktivieren. Fragen Sie mich nicht, worin der Unterschied zwischen beiden besteht.

Gemeinsamen Ordner auswählen

Gemeinsamen Ordner auswählen

sudo mount /dev/cdrom /media/cdrom

Es genügt nicht, die ISO-Datei wie oben einfach nur auszuwählen; man muss sie auch mit mount einbinden. Keine Angst wegen der Read-Only-Nachricht, denn schließlich ist die ISO-Datei ja als CD-Abbild schreibgeschützt.

cd /media/cdrom/
sudo sh ./VBoxLinuxAdditions.run

Jetzt werden die Gasterweiterungen installiert. Schon diese zweite Befehlszeile lässt sich nirgends bei Oracle finden. Wie soll da jemand von selbst darauf kommen? Die Fehlermeldungen können ignoriert werden, da sie sich meist nur auf nicht installierte Desktop-Erweiterungen beziehen.

mount -l | grep vboxsf

Ein kleiner Test. Jetzt sollte in etwa folgendes ausgegeben werden:

share on /media/sf_share type vboxsf (rw,nodev,relatime)

Wenn nicht, dann fahren Sie bitte die virtuelle Maschine komplett herunter (nicht bloß ausschalten) und starten zur Sicherheit auch noch einmal den Oracle Virtual Box Manager komplett neu und starten noch einmal mit sudo mount … wie weiter oben beschrieben.

dir /media/

Kann man schon das Verzeichnis sehen? Es sollte automatisch das Prefix „sf_“ erhalten haben; hier also „sf_share“.

sudo usermod -aG vboxsf $(whoami)

Jetzt fügen wir den aktuellen Nutzer noch der passenden Gruppe zu, sonst gibt es als kastrierter Nutzer, der man ist, wieder Probleme.

Wenn man noch zusätzliche über PHP bzw. Apache in das geteilte Verzeichnis schreiben möchte, muss der richtige Nutzer auch noch in die Gruppe gepackt werden.

sudo usermod -aG vboxsf www-data

Und wie immer: reboot nicht vergessen, denn Oracle „weiß“ nicht, was auf dem Gästesystem abläuft.

sudo reboot

Erst durch Neustart jetzt werden die Änderungen wirksam.

cd /media/sf_share
touch testfile.txt

Wir wechseln in das Verzeichnis und legen ein erstes Testfile ein, das auf beiden Maschinen zu sehen sein sollte.

Der gemeinsame Ordner auf dem Gastsystem.

Der gemeinsame Ordner auf dem Gastsystem.

Noch ein letzter Test: Jetzt sollte auch in der Windows-Maschine die Datei zu sehen sein.

Der gemeinsame Ordner auf dem Hostsystem

Der gemeinsame Ordner auf dem Hostsystem

Das war’s, q.e.d, hat doch gar nicht weh getan.